Kondolenza.ch, ein ewiges Denkmal.
Johanna Spyri, Zürich
01.01.1970 - 01.01.1970
Johanna Spyri war das vierte von sechs Kindern des Arztes Johann Jakob Heusser und der Dichterin Meta Heusser-Schweizer. Sie wuchs in Hirzel auf, einem Dorf im Kanton Zürich am Zimmerberg über dem Zürichsee. Im Alter von 15 Jahren zog sie zu ihrer Tante nach Zürich, wo sie die Schule besuchte. Im Sommer 1844 ging sie für zwei Jahre in ein Pensionat in Yverdon, um Französisch zu lernen. Ein Jahr später kam sie zurück und wohnte bis zu ihrem 25. Lebensjahr in Hirzel. Sie unterrichtete ihre jüngeren Geschwister und half der Mutter im Haushalt.
1851 verlobte sie sich mit dem Zürcher Juristen und Redakteur Johann Bernhard Spyri (1821 – 1884), der zum engsten Freundeskreis von Richard Wagner in Zürich gehörte. Die Hochzeit fand am 9. September 1852 in der Kirche Wollishofen statt. Die erste Wohnung des Paares lag an der Stadelhoferstrasse 22 im «Kleinen Baumwollenhof».
Johanna mit ihrer Mutter und der jüngeren Schwester Meta
im Alter von 21 Jahren Gemälde ihrer Freundin Anna Fries.
Bernhard Spyri und Johanna Heusser 1852
mit Söhnchen Bernhard
Spyris Handschrift; Brief an die Mutter
Erstausgabe von «Heidi»
Am 17. August 1855 kam Spyris einziges Kind, ihr Sohn Bernhard Diethelm zur Welt. Während der Schwangerschaft geriet Johanna in eine tiefe Depression, die jahrelang anhielt. Im September zog die Familie an den Hirschengraben 10 ins Haus «Zum liegenden Hirschli». Drei Jahre später erwarb Bernhard Spyri am Hirschengraben 6 das «Bremerhaus». Nach seiner Ernennung zum Stadtschreiber zog die Familie 1868 in Stadthaus am Kratzplatz um.
Die Ehe der Spyris war nicht wirklich glücklich. Johanna Spyri mochte die Hausarbeit nicht, Bernhard Spyri arbeitete viel und war oft abwesend. Halt fand Johanna in ihrer tiefen Freundschaft mit Betsy Meyer, der Schwester von Conrad Ferdinand Meyer. Der mit ihrer Mutter befreundeter Bremer Pastor Cornelius Rudolf Vietor (1814 – 1897) regte Johanna Spyri als erster zum Schreiben an; Johanna besuchte ihn in Bremen. Ihre erste Erzählung «Ein Blatt auf Vrony’s Grab» erschien 1871 in Bremen und wurde ein grosser Erfolg. Für den heutigen Geschmack ist es eine schwer erträgliche Geschichte über eine Frau, die von ihrem trunksüchtigen Mann misshandelt wird und sich betend in ihr Schicksal fügt, wie der Herr Pfarrer ihr geraten hat.
1875 wurde «Frau Stadtschreiber Spyri» in die Aufsichtskommission der Höheren Töchterschule in Zürich bestellt, wo sie bis 1892 tätig war.
Ihr erstes Kinderbuch «Heimathlos» enthielt die Erzählungen «Am Silser- und am Gardasee» und «Wie Wiseli’s Weg gefunden wird» und erschien 1878 in Gotha. Als Autorin war nicht Johanna Spyri angegeben, sondern „Von der Verfasserin von «Ein Blatt auf Vrony’s Grab“. Erstmals fand sich auf dem Umschlag die Anmerkung «Eine Geschichte für Kinder und auch für Solche, welche die Kinder lieb haben», welche auf fast allen Ausgaben Spyris zu finden ist.
Kurz vor Weihnachten 1879 erschien in Gotha «Heidis Lehr- und Wanderjahre», das sofort zu einem grossen Erfolg wurde und Johanna Spyri einen sehr komfortablen Lebensabend ermöglichte. 1881 folgte der zweite Band «Heidi kann brauchen was es gelernt hat». «Heidi» wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt und soll nach der Bibel und dem Koran das am häufigsten übersetzte Buch der Welt sein. [1] Das Buch wurde mehrfach verfilmt.
Nach langer Krankheit starb am 3. März 1884 ihr Sohn Bernhard; ihr Mann starb im gleichen Jahr am 19. Dezember. Im April 1885 zog Johanna Spyri für ein Jahr an die Bahnhofstrasse 48, Ecke Augustinergasse, anschliessend in die «Escherhäuser» an den Zeltweg 9, wo sie bis zu ihrem Tod wohnte.
Während ihrer letzten Lebensjahre schrieb und reiste sie viel. Mit Conrad Ferdinand Meyer hatte sie regelmässig freundschaftlich-professionellen Kontakt. Als sie 1901 an Krebs erkrankte, liess sie sich von der ersten Schweizer Ärztin Marie Heim-Vögtlin behandeln. Johanna Spyri starb am 7. Juli 1901, morgens um 4.30 Uhr. Sie wurde auf dem Zürcher Friedhof Sihlfeld begraben.