Kondolenza.ch, ein ewiges Denkmal.
Friedrich Liebling, Zürich
01.01.1970 - 28.02.1982
Salomon Liebling wurde als ältester Sohn eines Gutsverwalters in Galizien geboren. Als er fünf Jahre alt war, starb sein Vater. Sobald wie möglich, musste er sich an dessen Stelle um seine jüngeren Geschwister kümmern. Gesicherte Informationen über seine Jugend sind spärlich. Er soll 1913 nach Wien gekommen sein, um ein Medizinstudium aufzunehmen. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich jedoch als Freiwilliger und kämpfte vier Jahre an der Ostfront. Die Kriegserlebnisse machten ihn zum Pazifisten, der er zeitlebens blieb. Gegen Ende des Krieges änderte er seinen Vornamen und kehrte als Friedrich Liebling nach Wien zurück. Hier lernte er den „Friedenskrieger“ und Anarchisten Pierre Ramus kennen, der sein politisches Denken stark beeinflusste. Liebling wurde in der von Ramus initiierten „Gruppe Kropotkin“ aktiv und begann, sich für die tiefenpsychologischen Grundlagen von Herrschaft zu interessieren. Er wurde, wie etwa auch der damalige Kommunist Manès Sperber, Schüler von Alfred Adler. Es war die Zeit des Roten Wien, in der Adlers Individualpsychologie, neben Freuds Psychoanalyse, dank ihrer Erfolge bei der Wiener Schulreform grosse Verbreitung fand. 1924 gründete Liebling die erste Praxis in der Fröbelgasse 19 in Wien [1].. Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich veranlasste ihn 1938 zur Flucht in die Schweiz. Er und seine Familie fanden zuerst Zuflucht in Schaffhausen, wo er nur in relativer Sicherheit lebte, denn erst 1950 erhielt er die formelle Aufenthaltsbewilligung. 1951 zog er nach Zürich und begann mit dem jungen Josef Rattner, den er als Pflegesohn adoptiert hatte, den Aufbau der „Psychologischen Lehr- und Beratungsstelle“, die später als „Zürcher Schule für Psychotherapie“ bekannt wurde. Nach seinem Tod gründeten einige der früheren Anhänger Lieblings den Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis. [2]