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Kondolenza.ch, ein ewiges Denkmal.


Erwin Friedrich Baumann, Bern

01.01.1970 - 08.02.1980

Erwin Friedrich Baumann wurde 1890 in Bern als zweites von vier Kindern des Baumeisters und Politikers Friedrich Baumann (1835–1910) und der Marie-Louise Baumann-Bigler (1856–1937) geboren. Vor seiner Einschulung erkrankte er an Diphtherie, und der Kuraufenthalt im Rotbad (Diemtigtal) hat dazu geführt, dass er in der Schule den Anschluss verpasste. Baumann schreibt in seinem Lebenslauf: “Ich rutschte mit dem untersten Viertel der Klasse hinauf bis ins Gymnasium und wäre wohl so schlecht und recht mitgerutscht in die Hörsäle der Hochschulen hinein“. [1] Infolge renitenten Verhaltens eines Lehrers gegenüber musste Baumann das Gymnasium jedoch verlassen.
Auf ein Praxisjahr bei einem Architekten in Vevey folgten die Kavallerie-Rekruten- und Unteroffiziersschule, anschliessend die Maturität an der Minerva Zürich sowie Studien in Kunstgeschichte und Mathematik an der Universität Bern. Der Stammtisch der Studentenverbindung Rhenania, in welche er 1911 eintrat, befand sich im Restaurant Bubenberg in Bern. Hier sass Baumann oft mit den sich dort treffenden Berner Künstlern zusammen (so auch mit Ferdinand Hodler). Dieses Umfeld liess in ihm den Entschluss reifen „in Zukunft nicht nur Wappen und Figürchen mit dem Sackmesser zu schnitzen“. Die ungenügende und nachlässige Pflege der Verletzungen als Folge eines Sturzes vom Pferd in der Unteroffiziersschule, führte zu Tuberkulose, was letztlich die Entlassung aus der Armee zur Folge hatte.
Ungeachtet dieses Zwischenfalles wagte Baumann den Schritt an die Architekturabteilung der Technischen Hochschule Darmstadt. Der Modellierkurs bei Professor Agosto Varnesi[2] mit Einführung in die Bauplastik aber auch die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe begeisterten ihn. Der erste Weltkrieg setzte dem Aufenthalt in Deutschland jedoch ein Ende.
Nach Kriegsausbruch nahm Baumann, gesundheitlich immer noch angeschlagen, als Freiwilliger an der Grenzbesetzung teil. 1915 wurde er vom Militärdienst erneut freigestellt. Es folgten Kuraufenthalte in Davos und Arosa. 1918 trat Baumann ins Architekturbureau von Rudolf Gaberel[3] in Davos ein, wo er Freundschaften mit Jakob Bosshart, Wilhelm Schwerzmann[4] und dem Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner[5] pflegte. 1919 erhielt er den 1. Preis beim Wettbewerb für ein Denkmal der bernischen Kavallerieeinheiten auf der Lueg bei Burgdorf. Sein Projekt wurde jedoch nicht ausgeführt, da er sich weigerte, an ihm ein in seinen Augen unwürdiges Relief des Bildhauers Karl Hänni[6] anzubringen.1920 durfte er im Auftrag von Rudolf Gaberel als örtlicher Bauleiter die künstlerische Gestaltung des Waldfriedhofs Wildboden Davos übernehmen.
Im Sommer 1921 weilte Baumann in Paris als Bildhauer bei Émile-Antoine Bourdelle. In den Jahren 1921/22 reiste er nach Ägypten,[7] wo er als Bildhauer und Architekt tätig war und u.a. Mahmoud Mukhtar[8] aufsuchte. Eine längere Studienreise über Griechenland, den Balkan und Oesterreich führte Baumann nach Davos zurück, wo er von 1922 bis 1924 erneut im Bureau Gaberel tätig war.
In den Jahren von 1924 bis 1929 lebte Baumann in Kalifornien.[9] Hier war auch sein Bruder Paul Baumann als Ingenieur tätig. In dieser Zeit schuf Baumann zahlreiche Holz- und Steinplastiken und war nebenbei als Architekt tätig. 1925 erhielt er den 1. Preis für den künstlerischen Schmuck für die Haupthalle des Neubaus eines Kaufhauses in Los Angeles sowie 1928 eine Auszeichnung des Kunstmuseums Los Angeles für seine Steinplastik „Steinhauer“.[10]
1929 kehrte Baumann in die Schweiz zurück, wo er in Davos, Bern und Münchwilen arbeitete. 1938 heiratete er die Russlandschweizerin Rita Keller und weilte anschliessend einige Monate in Paris als Bildhauer unter Anleitung von Ossip Zadkine. Im Jahre 1939, unmittelbar vor Kriegsausbruch, erwarb er ein Bauernhaus in Faulensee, welches er als Heim für seine Familie renovierte. Bei Kriegsausbruch meldete er sich erneut als Freiwilliger einer Hilfsdienst Bewachungs-Kompanie zur Armee.
Wegen der Erkrankung seiner Frau zog Baumann 1960 nach Bern, wo sie 1962 starb. Baumann hatte bis zu seinem Tode im Jahre 1980 ein Atelier im alten Tierspital Bern. Von den Arbeiten aus der Zeit in Faulensee und Bern sind erwähnenswert die Kapitelle im Schloss Wimmis (1950), der Altartisch in der Kirche Lerchenfeld/Thun (1951) und eine Brunnenfigur beim Schulhaus Krattigen (1953), die Restaurationen des Tschanhauses auf der Schüpf in Faulensee (1952), der Kirche Einigen[11] (1954/55), des am 2. August 2008 durch Feuer zerstörten, unter Denkmalschutz stehenden Gasthofs St. Urs in Biberist (SO) (1958–62), des Bauernhauses „Les Aroles“ als Dépendence des Palace Hotels (heute im Besitz des Milliardärs Spiro Latsis[12]) in Gstaad (1954) und der Kirche Radelfingen/Aarberg (1958–65), die Ausgrabung der St. Columban Kapelle in Faulensee (1960/61) und die Bauleitungen bei der Erweiterung der Zuckerfabrik in Aarberg (1958–60), dem Neubau der britischen Botschaft in Bern (1962) und beim Verwaltungsbau der BKW (1960–63).









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