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Kondolenza.ch, ein ewiges Denkmal.


Frère Roger, Taizé

12.05.1915 - 16.08.2005

Frère Rogers bürgerlicher Name war Roger Louis Schutz-Marsauche. Sein Vater Karl Ulrich Schutz stammte aus Bachs im Zürcher Unterland, seine Mutter Amélie Henriette Schutz-Marsauche aus Burgund. Er war der Jüngste von neun Geschwistern. Obwohl sein Vater reformierter Pfarrer war, zögerte der nicht, seinen Sohn Roger bei einer katholischen Witwe in Kost zu geben, damit diese ihren Lebensunterhalt sichern konnte.
Von 1937 bis 1940 studierte Roger evangelische Theologie in Lausanne und Straßburg. Am 20. August 1940 kam er nach Taizé (Burgund, Frankreich). Dort versteckte er mit seiner Schwester Geneviève sowie Freunden Flüchtlinge, vor allem Juden, aber auch Oppositionelle, vor den Nationalsozialisten. 1942 besetzte die Gestapo das Haus und verhaftete die Insassen. Schutz, der gerade einen Flüchtling in die Schweiz gebracht hatte, blieb dort bis zur Befreiung von Taizé 1944. Nachdem Schutz mit drei Freunden nach Taizé zurückgekommen war, kümmerte er sich – um die Wunden des Kriegs zu heilen – um Kriegswaisen, aber auch um deutsche Kriegsgefangene, was seitens der einheimischen Bevölkerung auf keine große Gegenliebe stieß.




Frère Roger während eines Gebets


Aus dieser Arbeit ging 1949 die Gründung der Communauté de Taizé hervor, einer ökumenischen Bruderschaft. Am 17. April 1949 legten die ersten sieben Brüder aus dem Helferkreis Rogers die klassischen Ordensgelübde ab: Sie versprachen Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. 1951 stellte er die Regel von Taizé auf, in der es um ein Ethos der Tat, Selbstbeherrschung und die Befolgung von Beschlüssen der Gemeinschaft geht, die vom Prior vertreten werden. Frère Roger hat keine eigene Theologie entwickelt, sondern zeitlebens auf eine Versöhnung der christlichen Konfessionen hingearbeitet. „Lieben und es mit seinem Leben sagen“ war sein Lebensziel, das er auch Millionen Jugendlichen in Taizé mit auf den Weg gab. Zur Communauté de Taizé gehören heute etwa einhundert Brüder aus über 25 Nationen. Darunter befinden sich Katholiken, Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen und Anglikaner.
Frère Roger baute die Aktivitäten der Gemeinschaft kontinuierlich aus. Ein besonderes Anliegen ist die Solidarität der christlichen Brüder mit den Ärmsten der Armen. Seit 1951 leben Brüder aus Taize in Gemeinschaften mit Besitzlosen in Asien, Afrika und Lateinamerika zusammen. Besondere Beachtung fand die Zusammenarbeit von Frère Roger mit Mutter Teresa und ihren Sterbehäusern.
Frère Roger nahm mit Frère Max 1962 bis 1965 auf Einladung von Papst Johannes XXIII. als Beobachter am Zweiten Vatikanischen Konzil teil.
1970 kündigte Fr. Roger ein „Konzil der Jugend“ an, dessen Hauptversammlung vom 28. August bis 2. September 1974 stattfand. Das Konzil machte Taizé weltweit bekannt. 1979 wurde das religiöse Jugendtreffen in dieser Form vorläufig ausgesetzt und ging in einen „Pilgerweg des Vertrauens auf der Erde“ über.
Frère Roger erhielt bei der Beisetzungsfeier für Papst Johannes Paul II. die Kommunion aus der Hand des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, des heutigen Papstes Benedikt XVI.. Dies sorgte für Aufsehen und wurde als Zeichen einer Lockerung der katholischen Regelung des Eucharistieempfangs durch Nicht-Katholiken angesehen, die in der breiteren Öffentlichkeit fälschlich als striktes Verbot wahrgenommen wird. Tatsächlich dürfen Christen anderer Bekenntnisse Leib und Blut Christi in katholischen Gottesdiensten erlaubt empfangen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: (1) Christen aus orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaften werden auf persönlichen Wunsch stets und ohne weiteres zugelassen. (2) Christen aus Kirchen der Reformation müssen dazu ihren Glauben an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie bekennen und, außer in Notsituationen, die Erlaubnis des zuständigen katholischen Bischofs erbitten und erhalten. Roger Schutz hatte bereits 1972 vom damaligen Bischof von Autun, Armand LeBourgois, in dessen Diözese Taizé liegt, Erlaubnis und Kommunion erhalten, ohne dass damit ein Übertritt zur römisch-katholischen Kirche verbunden war. In der Folgezeit hat Fr. Roger, wie Frère Alois erklärte, über 25 Jahre lang im Petersdom häufig die Kommunion empfangen. Neu sei diesmal nur gewesen, dass es „sehr sichtbar“ erfolgt sei.
Über sein Verhältnis zum Katholizismus sagte Roger Schutz öffentlich und in Gegenwart Johannes Paul II. bei einem europäischen Jugendtreffen, er habe seine eigene Identität als Christ gefunden, indem er den Glauben seiner Herkunft mit dem Mysterium des katholischen Glaubens versöhnt habe, ohne aus der Gemeinschaft mit irgend jemandem auszutreten.




Das Grab von Frère Roger


Nahezu gleichzeitig mit der Eröffnung des Weltjugendtags 2005 wurde am Abend des 16. August 2005 Frère Roger, vier Tage vor dem 65-jährigen Jubiläum seiner Ankunft in Taizé, beim Abendgebet in der Versöhnungskirche der Communauté de Taizé von der psychisch kranken römisch-katholischen Rumänin Luminiţa Solcan[1] mit einem Messer tödlich verletzt.
Kardinal Meisner betete mit jugendlichen Gästen des Weltjugendtags schweigend für Frère Roger. Im Anschluss äußerte er sich vor der Kirche gegenüber Reportern, zum Weltjugendtag habe Frère Roger nicht nach Köln kommen können, aber jetzt sei er präsent „wie Johannes Paul II.“.
Papst Benedikt XVI. erklärte, er sei „tief traurig“ und habe am Vortag einen „bewegenden“ Brief von Frère Roger erhalten, in dem dieser schrieb, er sei mit ganzem Herzen mit dem Papst und allen Teilnehmern des Weltjugendtages in Köln. Er könne aus gesundheitlichen Gründen selbst nicht kommen, werde aber „im Geiste“ anwesend sein.
Zu seinem Nachfolger als Prior der Ordensgemeinschaft wurde der katholische Frère Alois ernannt, den Frère Roger schon acht Jahre vor seinem Tod ausgewählt hatte.









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